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Lübeck - die Königin der Hanse

Wer kennt es nicht, das berühmte Holstentor, durch das früher die auf einer Insel liegende Hansestadt Lübeck betreten wurde. Zu Zeiten der Deutschen Mark hielten viele das Holstentor in der Hand war es doch auf der Rückseite des 50-Mark-Scheins abgebildet. Aber auch auf dem 2-Euro-Stück ist das Holstentor zu sehen, 2006 kam eine Sonderprägung dieser Münze in Umlauf.

Lübeck, das sind rund 1800 denkmalgeschützte Häuser, die Türme des Lübecker Doms sowie der Kirchen St. Marien, St. Petri, Jakobi und St. Aegidien, das berühmte Lübecker Marzipan und vieles mehr. 1987 wurde die Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt, Grund genug der Stadt einen Besuch abzustatten.

Lübeck wurde 1143 gegründet und war von 1226 bis 1937 ein Stadtstaat sowie Hauptort der Hanse, die Stadt gehörte im 13. und 14. Jahrhundert zu den bedeutendsten Städten in Nordeuropa. Die „Königin der Hanse“ brachte mit Günter Grass, Thomas Mann und Willy Brandt drei Nobelpreisträger hervor.

Lübeck wird auch als „Kulturhauptstadt des Nordens“ bezeichnet, interessante Museen wie das St.-Annen-Museum, das in einem Kloster des 15. Jahrhunderts untergebracht ist oder das Europäische Hansemuseum warten auf interessierte Besucher. Berühmt ist auch das Lübecker Marzipan, es wurde zwar nicht in Lübeck erfunden, der Ursprung ist im Orient zu finden, gehört aber zu den Besten auf der Welt. Im Stammhaus der Firma Niederegger gegenüber dem Rathaus können Sie Konditorei-Spezialitäten wie die berühmte Niederegger Nusstorte probieren oder der Geschichte des Marzipans im Marzipan-Museum auf den Grund gehen.

Und dann ist da ja noch Travemünde, das Seebad an der Ostsee. Ursprünglich ein kleines Fischerdorf, entstand auf Betreiben des Lübecker Geldadels Anfang des 19. Jahrhunderts ein Seebad, welches wir an anderer Stelle beschreiben.

Wasserspiele auf dem Klingenbergplatz
Das Café Niederegger gegenüber dem Rathaus

Die Geschichte Lübecks

Der Name Lübeck leitet sich ab von der vor 819 von Slawen gegründeten Siedlung „Liubice“ was Alt-Lübeck bedeutet. Die Siedlung lag an der Mündung der Schwartau in die Trave, sie war neben Oldenburg in Holstein die wichtigste Siedlung der Abodriten. Ende des 11. Jahrhunderts/Anfang des 12. Jahrhunderts war Liubice eine bedeutende Stadt mit Burg, den dazugehörenden Siedlungen nebst Kirche die Handelsbeziehungen nach Skandinavien und den Osten unterhielt. Machtkämpfe zwischen den Slawen führten zum Niedergang,

1138 wurde Liubice niedergebrannt. 1143 gründete Adolf II. Graf von Schauenburg und Holstein auf der heutigen Altstadtinsel auf dem Hügel Buku die erste neu gegründete Hafenstadt an der Ostsee. Die neue Stadt zog Kaufleute von nah und fern an, Lübeck unterhielt mit Hamburg eine einträgliche Städeverbindung was die Bedeutung Schleswigs sinken lies und zu einer Auseinandersetzung zwischen Graf Adolf und dem Herzogen Heinrich des Löwen führte.

Mit dem Stadtbrand 1157 fiel die Entscheidung der Auseinandersetzung zu Gunsten von Heinrich den Löwen, der Lübeck wieder aufbauen ließ. 1160 wurde der Bischofssitz des Bistums Oldenburg in die Stadt verlegt und machte Lübeck somit auch zum religiösen Zentrum der Region. Außerdem erhielt die Stadt das Soester Stadtrecht das später als „Lübisches Recht“ von mehr als 100 Städten im Ostseeraum übernommen wurde. 1163 wurde der noch aus Holz gebaute Dom der Stadt geweiht, 1173 begann der Bau eines neuen Doms, dieser wurde einer der größten romanischen Backsteinbauten Norddeutschlands. Als 1181 Heinrich der Löwe von Kaiser Friedrich I. „Barbarossa“ geächtet wurde, übergaben die Bürger ihre Stadt dem Kaiser, der im August 1181 feierlich in Lübeck einzog. 1201 war der Dänenkönig Knut VI. (1162-1202) Lübecks neuer Stadtherr, ein Jahr später sein Bruder, Waldemar II. 25 Jahre währte die dänische Herrschaft, die für Lübeck vorteilhaft war.

Der Städtebund „Hanse“ entstand aus der gemeinsamen Handelspolitik niederdeutscher Kaufleute, ihren Zusammenschluss nannten die in England tätigen deutschen Kaufleute 1182 erstmals Hanse. Die Hanse war eine lose Organisation von Städten, die Macht ihres Handels von Portugal bis Nordwestrussland erlaubte es der Hanse rund drei Jahrhunderte lang der aufstrebenden Konkurrenz aus den Niederlanden und England, Skandinavien und Russland Paroli zu bieten.

Durch den Erwerb Travemündes im Jahre 1329 sicherte sich Lübeck den ungehinderten Zugang zur Ostsee. Von 1390 bis 1398 wurde der Stecknitzkanal erbaut, der erste Wasserscheidenkanal in Nordeuropa, der eine Verbindung zur Elbe und von dort einerseits nach Lüneburg zur dortigen Salzgewinnung und andererseits über Hamburg in die Nordsee war. Mehr als 130 Städte gehören nun zur Hanse deren „Haupt“ Lübeck war, seit 1356 fanden die Hansetage zumeist im Lübecker Rathaus statt. 1375 hatte Lübeck rund 20.000 Einwohner, nur Köln war größer. Der Niedergang der Hanse begann schleichend, der letzte Hansetag wurde 1669 abgehalten, es nahmen nur noch sechs Städte daran teil.

Um die Kriegsgefahr zu bannen wurde 1613 eine Befestigungsanlage nach neuester Bauweise errichtet, diese hielt den 30jährigen Krieg (1618-1648) von der Stadt fern. 1806 erlangte Lübeck die volle Souveränität, im November des gleichen Jahres eroberten Napoleons Truppen die Stadt und plünderten diese. Die folgenden Einquartierungen, Zwangsabgaben und Ablieferungen sowie die durch die Franzosen betriebene Isolationspolitik (Kontinentalsperre) brachte den Handel zum Erliegen was der Stadt schwer schadete. 1813 wurde die Stadt von den Russen befreit.

1851 entstand der Anschluss an die Eisenbahnstrecke Hamburg-Berlin durch die Lübeck-Büchener-Eisenbahn-Gesellschaft, 1865 folgte die direkte Verbindung nach Hamburg, 1870 nach Mecklenburg und 1873 nach Kiel. 1864 wurde die Torsperre aufgehoben und Lübeck wuchs über die Altstadtinsel hinaus, bildete die ersten Vorstädte. 1911 erhielt Lübeck den Status einer Großstadt und nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Ende des Kaiserreichs eine demokratische Verfassung. Am Palmsonntag des Jahres 1942 wurden große Teile der Altstadt durch einen englischen Bombenangriff zerstört.    

Gastronomie in der Fußgängerzone
Der Brückenturm an der Hubbrücke

Anreise und Stadtführungen

Die Anreise mit dem Auto erfolgt über die Autobahn A1 die durch das Stadtgebiet führt. Kurz vor Lübeck kreuzt die Autobahn A20 am Lübecker Kreuz mit der A1 die aus Richtung Osten kommt. Fernbusse halten am ZOB in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof und der Altstadt.

Mit der Deutschen Bahn erreichen Sie Lübeck mit dem ICE, dem IC sowie Regionalzügen. Der nahe gelegene Flughafen Lübeck bietet Linienflüge von und nach München und Stuttgart, der Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel ist ca. 75 Kilometer entfernt. Mehrere Wohnmobilstellplätze sowie ein Campingplatz befinden sich in Laufnähe zur Altstadt.

Die Tourist-Information bietet eine Reihe von Stadtführungen an. Auf der Klassischen Stadtführung lernen Sie die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt kennen. Auf der Gänge- und Höfeführung erkunden Sie die geheimen Winkel der Stadt. Auf der Führung „Lübeck – Glanz und Gloria“ können Sie die Sehenswürdigkeiten auch von innen kennenlernen.

Die „Lubeca Mystica“ ist eine mystische Tour zu düsteren Themen und schaurigen Orten, dabei entdecken Sie die Stadt in der Dunkelheit (Beginn 20.30 Uhr). Ebenfalls in der Nacht wird eine Führung mit dem Nachtwächter angeboten. Lauschen Sie den Geschichten über listige Diebe, unlautere Kaufleute und andere Verbrecher. Viele weitere Touren, auch für Gruppen sowie Privattouren sind buchbar. Eine Broschüre gibt Auskunft über Zeiten und Kosten.

Die Media Docks liegen auf der nördlichen Wallhalbinsel
Ausflugsboot auf der Trave

Die vom Wasser umgebene Altstadt und das berühmte Holstentor

Die Altstadt Lübecks ist ganz von Wasser umgeben. Die Altstadt ist von der Trave umschlossen die in Travemünde in die Ostsee mündet. Daneben gibt es noch den Stadtgraben und die Wakenitz die der natürliche Abfluss des Ratzeburger Sees ist. Die Altstadt wird über eine der kleinen Fußgängerbrücken oder den großen Brückenstraßen betreten.

Lernen Sie die Altstadt doch auf einer der Hafen- und Kanalrundreisen von der Wasserseite aus kennen. Sie können auch das Steuer selbst in die Hand nehmen und die Altstadtinsel mit dem Elektro-Boot umrunden. Oder Sie mieten sich ein Kanu oder Stand-Up-Paddling.

Ein Erlebnis ist auch eine Panoramafahrt auf der Trave mit der MS HANSE die zwischen Lübeck und Travemünde verkehrt. Die Fahrt führt vorbei an zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie dem 900 Jahre alten Fischerdorf „Gothmund“ und der alten Fischereistadt Schlutup. Im Museumshafen liegen liebevoll restaurierte Traditionssegler auf denen Segelfreunde auf einem Ostseetörn mitsegeln können.

 Das berühmteste Wahrzeichen Lübecks ist sicherlich das Holstentor das im späten 15. Jahrhundert als Teil der Stadtbefestigung erbaut wurde und die Hansestadt vor feindlichen Angriffen schützen sollte. Neben dem Burgtor ist es das einzige erhalten gebliebene Stadttor.

Über dem Torbogen steht in goldenen Lettern „CONCORDIA DOMI FORIS PAX“ was übersetzt „Eintracht innen, Friede außen“ bedeutet. Im Inneren ist in sieben Themenräume die spannende Dauerausstellung ‚‚Die Macht des Handels“ zu sehen die das aktive Handeln des Besuchers erfordert und interessante Entdeckungen parat hält.

Wer genau hinschaut kann erkennen das sich der Südturm des Holstentores wie der schiefe Turm von Pisa zur Seite neigt. Grund dafür ist der morastige Untergrund am Traveufer, beide Türme sackten im Laufe der Jahrhunderte trotz der Fundamente aus Pfählen ungleichmäßig in den Boden.

Fast hätte es das Tor nicht mehr gegeben, es stand dem Ausbau der Bahnverbindung nach Hamburg und die Errichtung eines neuen Bahnhofs im Wege. Mit nur einer Stimme Mehrheit entschied sich die Lübecker Bürgerschaft im Jahr 1863 nach langem Streit für die Restaurierung des Holstentors.

Blick von der Holstenbrücke auf Altstadt und Traveufer
Das berühmteste Wahrzeichen Lübecks ist das Holstentor

Die historischen Salzspeicher und das Rathaus

Benachbart zum Holstentor noch bevor die Altstadt Lübecks über die Holstenbrücke betreten oder befahren werden kann stehen die historischen Salzspeicher, eine Gruppe von Lagerhäusern im Stil der Backsteinrenaissance. In ihnen wurden Salzlieferungen aus Lüneburg gelagert, bevor sie weiter nach Skandinavien verschifft wurden, ein einträgliches Geschäft, das die Grundlage des Reichtums der Stadt legte. Heute werden die Lagerhäuser von einem Textilkaufhaus genutzt.

 Im Herzen der Altstadt steht das imposante Rathaus, das ein wenig an ein Märchenschloss erinnert. Der Bau des Rathauses begann im Jahre 1230, die Fertigstellung erfolgte 1308. Im Laufe der Jahre wurde das Gebäude immer wieder verändert und erweitert was die unterschiedlichen Baustile wie Gotik, Renaissance bis hin zur Moderne erklärt.

Mit seinen Türmen ist das Rathaus ein echter Blickfang. Der Hansesaal in dem früher die Hansetage stattfanden ist leider bei Umbauten im 19. Jahrhundert verloren gegangen. Drei Kolossalgemälde im Inneren zeigen die Einsetzung des ersten Lübecker Rates, die Verleihung des Barbarossa – Privilegs im Jahre 1188 und den Bau des Doms durch Heinrich den Löwen. Der Audienzsaal diente als Sitzungssaal des Rates, an den Wände des Saales hängen zehn Gemälde des italienischen Künstlers Stefano Torelli die die Tugenden einer guten Regierung verkörpern sollen. Dazu gehören Wachsamkeit, Fleiß, Einigkeit, Klugheit, Freiheit, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Vorsicht, Mäßigung und Verschwiegenheit.

Früher wurde hier Gericht abgehalten, in der Mitte des Saales befindet sich die Darstellung des Salomonischen Urteils, darüber der Spruch in niederdeutscher Sprache „Beide Parteien soll ein Richter hören und dann urteilen“. Die Tür zum Saal weist eine Besonderheit auf, die Türflügel haben eine unterschiedliche Höhe. Während freigesprochene Angeklagte den Saal hocherhobenen Hauptes mit Hut auf dem Kopf durch den rechten Türflügel verlassen durften, mussten Verurteilte den Hut abnehmen und durch die niedrige Tür den Saal verlassen. So konnten die draußen wartenden Bürger erkennen welches Urteil gesprochen wurde.

Die Räumlichkeiten des Rathauses können im Rahmen einer Stadtführung besichtigt werden. Direkt an das Rathaus schließt sich der Markt an, der erste Platz Lübecks. Schon frühgeschichtlich hatte der Platz eine große Bedeutung bei den heidnischen Stämmen die hier Volks- und Gerichtsversammlungen abhielten. Im Mittelalter wurde der Einzelhandel nur auf diesem Areal erlaubt, 1290 standen bereits 322 Verkaufsbuden auf dem Markt.

Heute wird auf dem Markt einer der Lübecker Weihnachtsmärkte abgehalten. Der Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz hat eine lange Tradition, er wurde bereits 1648 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

In den historischen Salzspeichern wurden Salzlieferungen aus Lüneburg gelagert
Im Herzen der Altstadt steht das imposante Rathaus

Dom und Marienkirche

Eines der ältesten Baudenkmäler der Stadt ist der Dom, der erste Backsteinkirchbau an der Ostsee, der 1173 von Heinrich dem Löwen begründet und 1247 geweiht wurde. Die beiden hohen Türme prägen bis heute die Silhouette der Stadt.

An gleicher Stelle stand vorher bereits ein hölzernes Gotteshaus. Beim Luftangriff auf Lübeck im März 1942 brannte der Dom völlig aus und die Gewölbe stürzten ein. 1960 begann der Wiederaufbau, 1973 erfolgte die neue Weihe. Der Dom beherbergt zahlreiche Kunstschätze, darunter das 17 Meter hohe Triumphkreuz von Bernt Notke (1477), die Kanzel und die beeindruckende Lettneruhr.

Mit einer Länge von 131 Meter ist der Dom eines der längsten Kirchengebäude Deutschlands, mit seiner Turmhöhe von knapp 115 Metern ist er das zweithöchste Kirchengebäude Schleswig-Holsteins.

Die Marienkirche, eine Backsteinbasilika, gilt als Mutterkirche der Backsteingotik im Ostseeraum. Sie wurde zwischen 1265 und 1351 auf dem höchsten Punkt der Lübecker Altstadtinsel errichtet und ist Vorbild für rund 70 Kirchen dieses Stils im Ostseeraum.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts war die Marienkirche noch eine romanische Basilika, dann begann der Umbau zur gotischen Kathedrale, mangels Steinbrüche in der norddeutschen Ebene wurde die Kirche aus Backstein erbaut. Sehenswert sind neben der tollen Architektur die Totentanzfenster, die astronomische Uhr, der Fredenhagen-Altar und die Kapelle mit den 1942 herabgestürzten Glocken.

Auch die Marienkirche wurde beim Luftangriff 1942 getroffen und brannte fast völlig aus. Im Nordturm der Lübecker Marienkirche befindet sich das größte Glockengeläut Norddeutschlands bestehend aus zwölf Glocken, die ein Gesamtgewicht von rund 26,5 Tonnen haben.

Eines der ältesten Baudenkmäler der Stadt ist der Dom
Die Marienkirche, eine Backsteinbasilika, gilt als Mutterkirche der Backsteingotik im Ostseeraum

St. Petri und St. Aegidien

St. Petri ist eine dreischiffige romanische Kirche, die zwischen 1227 und 1250 erbaut und im 15. und 16. Jahrhundert zur fünfschiffigen gotischen Hallenkirche erweitert wurde. Sie war die Kirche der Binnenschiffer. Heute wird St. Petri nicht mehr als Kirche, sondern als Veranstaltungs- und Ausstellungszentrum genutzt. Von der Aussichtsplattform der Kirche haben Besucher einen schönen Blick über Lübeck bis hin zur Ostsee.

St. Aegidien, eine dreischiffige Hallenkirche, ist die Kirche der Handwerker und Ackerbürger. Sie stammt aus dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts und liegt am östlichen Hang des Innenstadthügels in Richtung Wakenitz. Benannt wurde die Kirche nach dem Heiligen Aegidius, dem Nothelfer und Patron der Jäger, Hirten, Pferdehändler, der Schiffbrüchigen, Bogenschützen, Bettler, Aussätzigen und der stillenden Mütter. Sie ist ausgestattet mit gotischen Wandmalereien und Elementen aus Barock und Renaissance und zahlreichen Kunstschätzen, darunter ein geschnitzter Singechor (1587) von Tönnies Evers dem Jüngeren.

Blick über den Markt auf den Turm von St. Petri
Blick auf St. Aegidien, einer dreischiffigen Hallenkirche

Die Jakobikirche und das Heiligen-Geist-Hospital

Die Jakobikirche ist eine dreischiffige Backsteinhallenkirche, sie ist seit dem Mittelalter die Kirche der Seefahrer. Sie wurde 1334 erbaut und zusammen mit St. Marien und St. Petri geweiht. Anders als die anderen Kirchen wurde die Jakobikirche im 2. Weltkrieg nicht beschädigt, so dass das Kastengestühl und die historischen Orgeln erhalten geblieben sind. Die kleine „Stellwagenorgel“ ist eine der besterhaltenen norddeutschen Orgeln aus dem 16. Jahrhundert.

Heute ist die Kirche offiziell eine internationale Seefahrer-Gedenkstätte. Ein Rettungsboot in der nördlichen Turmkapelle erinnert an den Untergang der Viermastbark „Pamir“ die 1957 in einem Hurrikan sank. Vor St. Jakobi steht ein Ensemble dreigeschossiger Backsteintraufenhäuser aus dem Jahre 1601 die den Pastoren und Predigern der Jakobikirche als Wohnung diente.

Gegenüber der Jakobikirche steht das Heiligen-Geist-Hospital das reiche Kaufleute im 13. Jahrhundert stifteten, um Arme, Alte und Kranke zu versorgen. Im Mittelalter gab es in der Hansestadt viele Bedürftige, die so genannten „Menschen minderen Glücks“, die auf die Hilfe und Almosen reicher Mitbürger angewiesen waren. Ganz eigennützig war die Hilfe allerdings nicht hofften die Helfer aufgrund ihrer Großzügigkeit doch auf einen Platz im Paradies.

Das 1286 vollendete Heiligen-Geist-Hospital zählt noch heute zu den ältesten bestehenden Sozialeinrichtungen der Welt. Das Hospital ist mit seiner dreigiebeligen Schaufront und den vier schlanken Türmen eines der bedeutendsten Monumentalbauten im Stil der Backsteingotik.

Im Glockenturm des Heiligen-Geist-Hospitals erklingt jeweils fünf Minuten vor der vollen Stunde ein Glockenspiel, die 18 Bronzeglocken spielen Menuette von Haydn oder Bach und bekannte Volkslieder. Auch das Heiligen-Geist-Hospital verfügt über einige Kunstschätze. Bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde das Hospital als Altenheim verwendet. Zur Weihnachtszeit wird hier einer der bekanntesten Weihnachtsmärkte Norddeutschlands abgehalten.

Die Jakobikirche ist eine dreischiffige Backsteinhallenkirche
Gegenüber der Jakobikirche steht das Heiligen-Geist-Hospital

Burgtor und Burgkloster

Das älteste von ehemals vier Stadttoren ist das im spätgotischen Stil erbaute Burgtor das neben dem Holstentor noch heute erhalten geblieben ist. Seinen Namen erhielt das Tor von der Lübecker Burg die 1227 zum Burgkloster umgebaut wurde. Von hier aus führt die „Große Burgstraße“ ins Stadtzentrum. Das Nördliche Tor bewachte schon im 13. Jahrhundert die einzige Landverbindung in die Stadt. 

Das Lübecker Burgkloster ist die bedeutendste mittelalterliche Klosteranlage Norddeutschlands, es entstand als Heimstätte des Dominikanerordens. Beeindruckend sind die Gewölbemalereien und Schmuckfußböden, das Burgkloster ist seit 1987 Teil des Lübecker UNESCO Welterbes. Es diente der Stadt als Armenhaus, später als Gerichtsgebäude und Untersuchungsgefängnis und zuletzt als Kulturforum. Seit 2015 gehört das Baudenkmal zum Museumsensemble des Europäischen Hansemuseums.

Das älteste von ehemals vier Stadttoren ist das im spätgotischen Stil erbaute Burgtor
Das Lübecker Burgkloster ist die bedeutendste mittelalterliche Klosteranlage Norddeutschlands

Die historischen Wohngänge

Schauen Sie bei einem Besuch der Stadt unbedingt in eine der kleinen verborgenen Gänge. Diese historischen Wohngänge sind verstreut über die ganze Altstadt, von ehemals 180 bewohnten Gängen und Höfe existieren heute noch etwa 90.

Entstanden sind diese zu Beginn des 14. Jahrhunderts aus Platzmangel als die Bevölkerungszahl förmlich explodierte. Der vorhandene Wohnraum reichte nicht mehr aus, deshalb kamen findige Hausbesitzer auf die Idee schmale Gänge durch die Vorderfronten ihrer Häuser zu brechen und einstöckige und oft fensterlose „Buden“ in ihre Hinterhöfe zu bauen. Diese Buden wurden an Bedienstete, Tagelöhner, Handwerker und Seeleute vermietet, etwa 80% der Bevölkerung der Stadt lebte in diesen Buden.

Heute sind diese wunderschönen Ganghäuschen ein begehrter Wohnraum in der Stadt. Die meisten sind frei zugänglich und können während eines Stadtspaziergangs oder einer Themenführung erkundet werden.

Im Inneren einer der historischen Wohngänge
Verkauf von Selbstgemachten in einem der Hinterhöfe

13 Museen warten auf Besucher

Zum Kulturangebot der Stadt zählen 13 Museen, alle sind fußläufig zu erreichen. Das Buddenbrookhaus wird aktuell bis 2029 umfassend saniert, aktuell gastiert eine Interimsausstellung im Behnhaus/Drägerhaus.

Das Europäische Hansemuseum zeigt die Geschichte der Hanse. Die Gedenkstätte Lübecker Märtyrer zeigt eine Dauerausstellung über die nationalsozialistische Schreckensherrschaft, erinnert wird an die Hinrichtung des evangelischen Pastors Karl Friedrich Stellbrink und die katholischen Kapläne Hermann Lange, Eduard Müller und Johannes Prassek.

Im Günter-Grass-Haus trifft Literatur auf bildende Kunst, eine Ausstellung mit interaktiven Medien gibt einen intensiven Einblick in das außergewöhnliche Leben von Günter Grass. Das Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk präsentiert die Arbeits- und Alltagsgeschichte des früheren Arbeiterstadtteils Herrenwyk. Im Innenraum der Katharinenkirche sind zahlreiche Besonderheiten zu entdecken wie beispielsweise der zweigeschossige Chor sowie das Meisterwerk „Erweckung des Lazarus“ des venezianischen Malers Jacopo Tintoretto (1576). 

Die Häuser des KOLK 17 Figurentheater & Museum werden derzeit saniert, eine Wiedereröffnung ist für 2025 vorgesehen. Im Museum Behnhaus Drägerhaus sind neben bedeutenden Sammlungen von Gemälden und Plastiken aus dem 19. Jahrhundert und der Klassischen Moderne auch Wohnensembles des 18. und 19. Jahrhunderts zu sehen.

Das Museum für Natur und Umwelt gibt spannende Einblicke in die Naturgeschichte Schleswig-Holsteins. Das Museumsquartier St. Annen verbindet Geschichte, Kunst und Gegenwart der Hansestadt.

Im Museum Holstentor geht es um Hanse, Handel, Macht und Reichtum – auf den Erfolg der Lübecker Kaufleute gründete sich die Bedeutung der mittelalterlichen Stadt.

Das St. Annen-Museum in Lübeck zeigt 800 Jahre Kunst im Weltkulturerbe, Schwerpunkte des Hauses liegen auf der größten Sammlung norddeutscher Schnitzkunst, den Danziger Textilschätzen und wertvollen Beispielen deutscher und niederländischer Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts. Im Niederegger Marzipan-Museum sind zwölf lebensgroße Persönlichkeiten aus Marzipan ausgestellt.

Im Willy-Brandt-Haus widmet sich die Dauerausstellung mit dem ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler und späteren Friedensnobelpreisträger und ermöglicht einen faszinierenden Gang durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Zur Museumsnacht öffnen die Museen ihre Tore bis Mitternacht, mit nur einem Ticket können alle Lübecker Museen, Galerien und Kultureinrichtungen betreten werden. Besucher erwartet ein facettenreiches Rahmenprogramm in der gesamten Altstadt. Straßen, Gänge und Höfe erwachen zum Leben und werden zur Bühne für rund 100 stimmungsvolle Veranstaltungen.

Das Museumsquartier St. Annen befindet sich in den Gebäuden des ehemaligen St.-Annen-Klosters
Im Museumshafen liegen liebevoll restaurierte Traditionssegler